„Haben Sie Verdruss? Dann gehen Sie in Callahans Saloon, lassen Sie sich von Mike Callahan ein Glas einschenken, treten Sie an die Linie, bringen Sie einen Trinkspruch aus und pfeffern Sie Ihr Glas in den großen offenen Kamin, und Sie werden sehen: gleich ist Ihnen wohler.

Für Zeitreisende nur gegen bar

Für Zeitreisende …

Und außerdem finden Sie in Callahans Kneipe immer ein paar Leute, die an allen Ecken von Raum und Zeit die unwahrscheinlichsten Dinge erlebt haben und noch unwahrscheinlichere Dinge darüber zu erzählen wissen. Sie sollten sich keine einzige davon entgehen lassen!“ (Klappentext von „Die Zeitreisenden in Callahans Saloon“)

Die Geschichten um Mike Callahan und seine Stammgäste faszinieren mich, seit ich sie vor langer Zeit in einer Buchhandlung entdeckte und zuerst den einen, dann den anderen der ins Deutsche übersetzten Sammelbände kaufte. Vor drei Jahren war ich eingeladen worden, um auf der Jahresversammlung der Symbolon-Gesellschaft für Symbolforschung einen Vortrag zu halten, das Thema war frei, solange es sich mit „Symbolen des Reisens und Verweilens“ auseinandersetzte. Hier erinnerte ich mich an die Barflies Mike Callahan, Doc Webster, LongDrink McGonnigle, Jake Stonebender und all die anderen, die ich so gut kannte, und fing an, die Elemente in Callahans Kneipe zu sammeln, die Symbolwert hatten: der Kamin, der (fehlende) Spiegel, die Zigarrenkiste am Ende der Bar und die einzige Toilette. Der Vortrag in Erfurt machte Spaß und löste eine spannende Diskussion aus.

Fanzeichnung der Kneipe

Fanzeichnung der Kneipe „Callahan’s Place“

Deswegen habe ich dann auch den Vortrag zu einem Artikel umgearbeitet, und der ist nun in der Ausgabe #82 des Magazins phantastisch! erschienen. Das Kapitel heißt nun folgerichtig „Kamin, Spiegel und Zigarrenkiste“ und umfasst 5 ganze Seiten. Hier ein Absatz daraus:

Diese Eigenschaft (der Empathie) haben die Stammgäste mitgebracht oder sie während ihrer Zeit in Callahans Bar erlernt und nutzen sie, um das Problem des Gastes zu betrachten und zu lösen. Vielleicht findet man Callahans Bar deswegen nur dann, wenn man sie wirklich »braucht«. Diese örtliche Ungreifbarkeit, dieses »du kommst nicht hin, es sei denn…«, stellt das Lokal in eine Reihe mit mythisch erhobenen Orten wie Narnia, Avalon und Nimmerland, was die Attraktivität für den Leser der Geschichten noch erhöht. Im Vorwort des 1997 veröffentlichten Sammelbands aller Callahan-Geschichten berichtet Robinson von der Flut an Anfragen begeisterter oder verzweifelter Leser, die anhand Robinsons spärlicher Ortsangaben (Suffolk County auf Long Island, abseits der Bundesstraße 25A) die ganzen 71 Kilometer abgefahren seien und jede Kneipe besucht hätten, um Callahans Bar zu finden, ohne Erfolg. In diesem Vorwort beantwortet Robinson die Frage »Wo ist denn nun Callahan’s?« mit »Sie stehen drin.«

Phantastisch #82

Außer meinem Artikel findet man in der „phantastisch!“ grundsätzlich großartige Artikel über die Phantastik in allen Spielarten — der Kauf lohnt sich auch ohne meinen Beitrag! Das quartalsweise erscheinende Heft ist auf der Website bestellbar oder im Bahnhofsbuchhandel zu finden.

Artikelbild: „Nighthawks“ in der Interpretation von Michael Vogt

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