Einige Jahre vor seinem Tod hatte Regieikone Krzysztof Kieślowski (+1996) die zehn Gebote des Regieführens verfasst. Veröffentlicht wurden sie zu seinem zehnten Todestag. Sie sind ganz anders, als man sie von einem Filmemacher erwarten würde, denn fünf der zehn Gebote drehen sich ausschließlich um die Arbeit mit den Schauspielern. Keins hat mit dem Schnitt zu tun, und keins mit der Kamera.

  1. Verbringe Zeit mit Deinen Schauspielern. Sie brauchen Deine Energie und Deine Unruhe. Sie sollen spüren, dass sie für Dich spielen. Die Nähe des Regisseurs hilft den Schauspielern, auf eine intime Art und Weise zu spielen. Wenn der Schauspieler spürt, daß das Bild auf dem Monitor für den Regisseur wichtiger ist als sein Schauspiel, war’s das. Dann hast Du ihn verloren. Du mußt den Schauspieler zu einem Filmschaffenden machen und Dich bei ihm für das, was er geschaffen hat, bedanken.
  2. Gib klare und konkrete Anweisungen.
  3. Hilf‘ den Schauspielern bei dem, was sie fühlen sollen.
  4. Manipuliere nicht. Der Schauspieler mag es nicht, eine Marionette zu sein. Es ist auch wichtig, auf welche Weise der Regisseur sein Ziel erreicht. Atmosphäre und Arbeitsstil am Set sind sehr wichtig; ich bevorzuge eine angenehme Atmosphäre…
  5. Schauspieler sind unterschiedlich, jeder einzelne. Jeder ist anders, und deswegen muss man mit jedem anders zusammenarbeiten.
  6. Igele Dich nicht ein. Sei wachsam und aufmerksam, beobachte, was während des Drehs passiert. Die ungeplanten Zwischenfälle beim Dreh am Set können dem Regisseur sehr helfen.
  7. Mache jede Idee zu Deiner eigenen. Wenn eine Idee eines Deiner Mitarbeiter Dir hilfreich erscheint, mache sie zu Deiner eigenen. Später werden sie bei Dir die Schuld suchen, Du kannst sie nicht auf jemand anderes abwälzen. Daher sollten letztendlich alle Ideen, die Du benutzt, zum Teil Deines Films, zum Teil Deiner Idee geworden sein.
  8. Nicht bloß schauen – sehen. Aufmerksam den Schauspielern folgen: ihrem Verhalten nach dem Ende des Takes kann man entnehmen, ob die Szene gut oder schlecht war. Das Wahrnehmen ist eine der wichtigsten Lektionen, die man lernen muss. Immer die ganze Situation erfassen. Denn sonst schaut man nur, sieht aber nicht.
  9. Den Rhythmus ändern. Wenn sich während einer Szene die Emotionen und Gefühle der Protagonisten ändern, muss sich auch der Rhythmus der Szene ändern.
  10. Regie ist nicht nur Inszenierung (mise-en-scene).

(entnommen und übersetzt aus: Poln. Filminstitut Warschau (Hrsg.): Krzysztof Kieslowski 1941-1996, Warschau 2006)

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