1994 hatte ich mehrere Monate in New York City Film studiert und wollte mein Semester mit einem zehnminütigen s/w-SF-Abschlußfilm in 16mm mit dem Titel „Redemption“ beenden. Das Ausbildungsziel sah vor, dass sich Teams von vier Studenten zusammenfinden, die miteinander in rotierenden Rollen hinter der Kamera (Regie, Kamera, Ton, Licht) an ihren jeweiligen Abschlussfilmen arbeiten würden. Die Vorbereitungen (Casting, Drehortgenehmigungen, Verhandlungen mit Kopierwerken, Anforderung technischen Materials, Catering) waren jedem Individuum überlassen, genau wie die Finanzierung. Die Voll- oder auch nur Teilfinanzierung der Studentenfilme durch die Filmschulen ist in den USA eine utopische Fantasie.

Wenn der Film Ende Oktober gedreht werden sollte, musste ich rechtzeitig anfangen. Am 22. September erschien im New Yorker »Backstage« eine Anzeige folgenden Inhalts:

Seeking SAG and Non-SAG Caucasian actors for a NYFA final b/w short on a Science Fiction subject to be shot two days between Oct 24 and Nov 1 – Karen, 20-25, 5’7”+, experience in martial arts a plus, two nude (no love) scenes; Peter, 40-50, 5’10”+, dark-haired, slender, a lifetime of experience written in the lines of his face. No pay, but food, transportation and videotape provided. SAG letter agreement possible. Send resume / headshot to New York Film Academy, attn. Balthasar v. Weymarn, 100 E 17th St., New York, NY 10003.

Sage und schreibe vierzig Bewerbungen bekam ich auf diese Anzeige innerhalb der folgenden Woche! Auf die Anzeige hatte mir auch ein Kameramann geantwortet; ich suchte ihn drei Wochen vor Drehbeginn in seiner Wohnung auf (Dick Brooks hatte einen beeindruckenden Lebenslauf – u.a. hatte er mit Robert Redford [Great Gatsby], Jacqueline Bisset, Lynn Redgrave, Ellen Barkin und Susan Sarandon gedreht). Und natürlich war er viel zu teuer.

Ich war sehr ehrgeizig, was diesen Film anging, denn ich wollte ihn auf Festivals zeigen können. In erster Linie hieß das für mich, den Film statt auf Umkehrfilm auf Negativfilm zu drehen, um davon qualitativ höherwertige Kopien ziehen zu können. In zweiter Linie hieß es, auf die Dienste meiner Co-Studenten zumindest für die Kamera zu verzichten, denn das war mir zu riskant. Deswegen setzte ich in den Wochen vor Dreh meine Verhandlungen mit Dick fort, und es gelang mir, ihn auf 2/3 seiner ursprünglichen Forderung herunterzuhandeln. Trotzdem notierte ich in meinem Filmtagebuch am 24.10: „800 Dollar bin ich für das Licht losgeworden. Puh! Ich muß ja schon zufrieden sein, wenn Murphy mich nur einmal so heimsucht: immerhin können wir jetzt drehen… 60 Dollar gingen heute allein für’s Frühstücksbuffet drauf. Es ist grundsätzlich alles doppelt so teuer wie geplant.“

Die Dreharbeiten wurden ein Abenteuer an sich, und ich bin heute noch froh, dass ich den Film fertigstellen konnte.

Szenenfoto

Szenenfoto

Eine nahe Zukunft: er erscheint in ihrer Wohnung und findet sie hängend an einer Art Befriedigungs-Maschine, verbunden mit einem Ekstase-Online-Service, bereits sehr lange, wenig mehr wäre tödlich. Der etwas größere Tod. Er nabelt sie ab, rettet ihr das Leben, pflegt sie. Immer wieder die Frage, wer er denn eigentlich sei… Am dritten Tag entdeckt sie hinter seinem Ohr ein Stimulanzgerät, er ist auch ein Junkie, ein Wort gibt das andere, wer bist du? Er ist gekommen, um die Wohnung auszurauben! Lachen. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. (Synopsis des Films in Splatting Image #23)

Aber wer hätte gedacht, dass diese Arbeit so viele Jahre später im New Yorker Social Diary als „pretty well known movie“ klassifiziert würde …

S. Michael Bellomo was his name and you mighta even heard of him. He’s been cast in some pretty well known movies such as Tony ’n‘ Tina’s Wedding (2004), Cop Land (1997) and Redemption (1995). He also played Les Moonves on The Late Show with David Letterman on seven occasions. Mr. Bellomo is available for work, so give the man a call (917-566-4077)! Did I mention he trained under Milton Katselas, Stella Adler, William Esper, and Uta Hagen and that he’s an excellent marksman?

„Redemption“ ist zwar in Michaels IMDB-Eintrag aufgeführt, aber ein bekannter Film ist es nie geworden (der Film lief glaube ich auf drei low-budget Film-Festivals)… aber ich habe jetzt wohl lange genug darüber geschrieben

Okay okay ...

Disclaimer: strong language, female nudity, non-sexual / Parents Strongly Cautioned – some material may be inappropriate for children under 13 — Viel Spaß damit.

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